Und wieder einmal von Neuem beginnen...

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...“ sagte schon Hesse - diesen Zauber habe ich gespürt, als ich mich entschlossen habe, mich beruflich ganz auf medizinisches Trainingzu konzentrieren.

Gesagt getan: Job gekündigt um mich auf das zu fokussieren, was mich antreibt:

Schmerzen verstehen und anderen verständlich zu machen, was dabei im Körper vorgeht. Beweglichkeit fördern und ein Verständnis schaffen für die Zusammenhänge zwischen Schmerzen und Bewegung. 

Ziel also volle Konzentration auf das Medizinische Personal Training und die Arbeit als Trainingstherapeutin in der Praxis Eller + Kellermann.

Womit ich nicht gerechnet hatte: Meine alte Bandscheibenverletzung rumorte immer mal wieder, ab und zu kamen die alten Beschwerden wieder auf aber ich dachte, ziemlich fit und mobil zu sein.

In den letzten Wochen nahmen leider die Beschwerden immer mehr zu, das Ziehen im unteren Rücken, Ausstrahlung ins Gesäß und Bein - jeder der das selber schon erlebt hat, weiß, wie zermürbend das sein kann. 

Dank unglaublich engagierter  Kollegen haben wir konservativ alles behandelt, was möglich war.

Die MRT Befunde waren bitter - Rezidiv-Bandscheibenvorfall, also ein Massenvorfall an der vor zwei Jahren operierten Bandscheibe. 

Bilder sind das eine - Wahrnehmung das andere - so lange ich die Schmerzen noch aushalten konnte und noch additive Therapiemöglichkeiten in Aussicht standen, wollte ich es konservativ probieren. Schließlich birgt jede OP Gefahren und die schon operierte Stelle nochmal aufzuschneiden war für mich eine grausame Vorstellung. 

Als dann Stück für Stück sensorische und motorische Ausfälle hinzukamen und ich mein rechtes Bein nicht mehr ansteuern konnte, war klar, dass hier schnell operiert werden musste.

Wenn man schon einmal diesen Weg gegangen ist - die Beine nicht mehr richtig bewegen kann und nicht mehr spürt, tage- und nächtelang diesen zermürbenden Schmerz ertragen hat, den der Ischias-Nerv verursacht, keine schmerzfreie Position mehr findet, in der man liegen oder verweilen kann, wenn Infiltrationen ergebnislos bleiben und kaum wirken, wenn nach jeder Behandlung einmal Sitzen, Stehen oder Laufen reicht, um den Schmerz sofort wieder auszulösen - ist es kaum zu ertragen, das alles nochmal erleben zu müssen. 

Ich bin unglaublich dankbar, in dieser Situation meine Familie, Freunde und Kollegen um mich herum gehabt zu haben. 

Nach der OP im Aufwachraum zu liegen und meine Füße bewegen zu können, war meine größte Freude und Erleichterung.

Jetzt beginnt erneut die für mich schwerste Zeit: die richtige Balance finden aus Entspannung und Mobilisation.

Zunächst einmal muss sich das Gewebe erholen, der Nerv regenerieren und die Entzündung abklingen - also anfangs viel Ruhe. Jeder der mich kennt, weiß, wie groß diese Herausforderung für mich ist. 

Im Vergleich zum letzten Mal, habe ich jetzt einen ganz anderen Wissensstand, kann mit der Situation also ganz anders umgehen. Ich bin umgeben von Experten, die mir helfen werden, sobald es möglich ist, mich schnell wieder aufzubauen. 

Nichtsdestotrotz ist es schwer: es ist eine Challange, ein positives Mindest zu bewahren. Es ist hart, nicht mit dem Schicksal zu hadern und zu fragen ‚Warum schon wieder ich?‘. Es fällt nicht leicht, sich immer wieder zu motivieren und zu sagen, wird schon alles gut werden. 

Die Vision, bald fitter zu sein als zuvor, den Körper noch besser zu verstehen, auf Warnsignale rechtzeitig zu hören und zu reagieren, mit meiner Erfahrung auch anderen weiter zu helfen - und sei es nur, weil ich mit meinen Kunden und Patienten mitfühlen kann, diese Tiefs selber durchlebt habe. 

Ich muss nun wieder von vorne beginnen... Das rechte Bein wird noch einige Zeit brauchen, bis ich es wieder richtig fühle, ansteuern und bewegen kann. Bis ich wieder richtig laufen kann und mich normal bewegen kann, muss noch viel passieren, werde ich noch viele Hochs und Tiefs durchleben, werde ich noch geduldig sein müssen mit mir und meinem Körper.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...“ ich bin mir sicher, ich werde den Zauber, wenn alles überstanden ist, auch erleben. Bis dahin heißt es Tag für Tag in kleinen Schritten voran kommen - im wahrsten Sinne des Wortes.

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